Behandlung: Wann eine Testosterontherapie infrage kommt
Jann-Frederik Cremers: „Man muss klar unterscheiden zwischen einerseits einer Testosterontherapie bei einer Erkrankung, die durch einen nachgewiesen dauerhaft niedrigen Spiegel ausgelöst werden kann oder die diesen auslöst. Bei einer entsprechenden Erkrankung kann eine Testosteronersatztherapie den Spiegel wieder in einen normalen Bereich bringen. Davon abzugrenzen ist andererseits Testosteronmissbrauch.. Hier geht es oft darum, künstlich die eigene, vor allem sportliche Leistungsfähigkeit im Sinne von Doping zu steigern.“
Bei einer Testosteronersatztherapie wird das Hormon über Depot-Spritzen, Haut-Gels, Tabletten oder Pflaster verabreicht. Das ist bis auf wenige Ausnahmen risikoarm, so der Experte. Bei Brust- oder nicht therapiertem Prostatakrebs etwa darf kein Testosteron zugeführt werden. Ebenso wenig bei einem Kinderwunsch, weil von außen zugeführtes Testosteron die körpereigene Spermienproduktion unterdrückt.
„Anders sieht es aus, wenn eigentlich gesunde Männer mit einem Testosteronspiegel im Normalbereich diesen steigern wollen. Der Einsatz von Testosteron oder den verwandten Anabolika als Lifestyle-Mittel ist ein riskanter Missbrauch, von dem eindeutig abzuraten ist. Denn dabei kann es schwere Nebenwirkungen für Körper und Psyche geben, etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Leber- und Stoffwechselprobleme und Unfruchtbarkeit sowie Verfolgungswahn, Halluzinationen und erhöhte Aggressivität.“